Die Geistige Welt

Aus der Sicht der Geistesschulung von Ein Kurs in Wundern will ich hier die Position des Menschen in der Beziehung zur Geistigen Welt beleuchten. Dabei kommen wir nicht ohne Metaphern und Symbole aus, da der GEIST GOTTES für uns in unserem Traumzustand nicht zu begreifen oder zu verstehen ist. Worte sind in diesem Sinne selber schon Symbole von Symbolen, sie sind zweifach von der WIRKLICHKEIT entfernt, wie EKIW es ausdrückt. 

Der REINE GEIST ist für uns etwas völlig Abstraktes und daher vom Denken her unerreichbar. Eine erste Stufe der Vorstellung ist das geistige Konzept. In einem zweiten Schritt wird es in Bilder gefasst. Dann beschreibt die Sprache die uns bekannten dualistischen Bilder: Der VATER (GOTT) und SEIN SOHN. SIE sind in Wahrheit EINS. Wir aber erleben subjektiv einen Traumzustand der Trennung, obwohl wir als Geschöpfe des REINEN GEISTES (GOTTES) kollektiv der eine SOHN des VATERS sind.  

Alles Leiden entspringt diesem Traumzustand der Trennung. Die Geistesschulung spricht von einer Wahnidee, der wir Wirklichkeit verliehen haben, obwohl diese Idee angesichts der einzigen WIRKLICHKEIT GOTTES keinen Bestand hat. Es hat die Trennung vom VATER nie gegeben. Doch wir träumen lust- und leidvoll und halten an unseren Wahnvorstellungen einer dualistischen Welt fest. Von ihr erwarten wir Glück und Frieden, obwohl uns die Geschichte der Menschheit und unser persönliches Leben zeigen könnten, dass der Weg der Welt mit schmerzvollen Enttäuschungen gepflastert ist. Wir sind in der Wahnkiste der Egomatrix eingesperrt (haben es selber gewählt!) und versuchen selbstsüchtig, unsere egomanen Interessen gegen andere Menschen durchzusetzen.

Wenn ein Mensch in dieser scheinbar aussichtslosen Lage um Hilfe und Heilung bittet, dann darf die Geistige Welt in seinem träumenden Geist wirken. Es beginnt ein sanfter Umbauprozess, um die Wahrnehmungen der angsterfüllten Illusionswelt in die stille Erkenntnis GOTTES zu übersetzen. Aus unserer Sicht der Träume braucht dies Zeit, aus der Sicht der Geistigen Welt ist es nur ein „Augenblick in der Ewigkeit“. 

Welche Bilder und Symbole sind uns zugänglich, um mit der Geistigen Welt in Kontakt zu kommen? Das kann für die einzelnen Sucher sehr verschieden sein. Ein Katholik hat vielleicht einen Zugang zu Pater Pio und kann in ihm und seinem Wirken heute die Liebe GOTTES zu den Menschen erblicken und erfahren. Die sogenannten Wunder sind Ausdruck der WIRKLICHKEIT GOTTES. Sie vermitteln uns über eine Erfahrung innerhalb des Traums jene WIRKLICHKEIT, die wir eigentlich suchen. Ein anderes Symbol der Geistigen Welt könnte ein Engel sein, zum Beispiel Erzengel Michael oder Gabriel. Der Engel ist ein Bote des Geistigen, wo EINHEIT alles bedeutet. Der Engel spricht auch heute noch zu uns und verkündet WAHRHEIT, die jenseits all unserer dualistischen Vorstellungen liegt. Mir sagte ein Engel vor vielen Jahren: Du bist wir und wir sind du. Es ist alles ganz anders, als du denkst.

Ein weiteres Symbol der Geistigen Welt ist sicherlich Bruno Gröning. Er wirkte als wohl der größte Geistheiler im Nachkriegs-Deutschland und half Tausenden von Menschen. In einer Menschenmenge stehend sprach er nur vom Glauben an die Macht der Heilkraft GOTTES, und plötzlich wurden sehr viele Menschen gesund. Da man ihm diesen Dienst an den Menschen verbot, verbrannte er am Ende innerlich an der Überfülle der Heilkraft, eben weil er sie im irdischen Beziehungsfeld  nicht weitergeben durfte. 

Dieses innere Verbrennen hat Anlass zu vielen Spekulationen über die Echtheit seines Wirkens provoziert. Doch wir sollten sehen: Auch Bruno Gröning war ein Mensch in körperlicher Erscheinung, der geistig in das Erwachen übergegangen war. Das bedeutet, ein großes Spannungsfeld im Geiste aushalten zu müssen: Auf der einen Seite die FÜLLE des GEISTES, auf der anderen die irdischen Angriffe und das Nein vieler Menschen zur LIEBE, die sich ihnen hier durch diesen Mann schenken wollte. Es gibt genügend andere Beispiele, die die Unvollkommenheit der Form neben der hohen Entfaltung des Geistes verdeutlichen: Der große indische Lehrer Ramana Maharshi (1879 bis 1950), der an einem Krebsgeschwür am Arm litt. Er war im vollkommenen Frieden des SELBST angekommen. 

Nisargadatta Maharaj (1897-1981), ein Lehrer aus Indien, betonte immer wieder, dass wir die Form nicht überbewerten sollten. Sie sei Ausdruck alter, auslaufender Programme, so wie die Bilder einer Filmrolle bis zum Schluss abgespielt werden, aber schon vorher ohne Bedeutung für den Hauptdarsteller sein können. Die Zuschauer mögen noch ihre persönliche Dramatik auf die Bilder projizieren, der Hauptdarsteller aber leidet längst nicht mehr unter ihnen. Dies gilt, so vermittelt es uns die Geistesschulung von EKIW, besonders für Jesus und die Kreuzigung. Er konnte keinen Schmerz empfinden, weil er im FRIEDEN des VATERS war. Die von uns bei Jesus geschauten Schmerzen sind nur Ausdruck unserer eigenen Schmerzen, die wir auf ihn projiziert haben. Wir haben ein Problem mit der LIEBE, er nicht!

Wir können also nicht immer Rückschlüsse auf den Zustand des Geistes ziehen, wenn der  Körper krank ist. Priorität hat immer der Geist. Auch am Leben von Helen Schucman, die über 7 Jahre des Schreibens den Kurs empfangen hat, wird der Zusammenhang deutlich. Sie starb an Bauchspeicheldrüsenkrebs und hatte mit Jesus ihre ganz menschlichen Probleme. Trotzdem war sie im Geist immer wieder ganz mit dem REINEN GEIST verbunden und konnte so den Kurs empfangen und viele hilfreiche Beratungen durchführen. Wir pendeln auf dem Weg zu GOTT zwischen GOTT-Nähe und GOTT-Ferne. Doch die Nähe allein zählt und die Distanz als Ausdruck unseres Konflikts mit der LIEBE wird uns nicht angerechnet. Wenn dann ein Körper krank ist, dann sollte uns das nicht zu sehr beeindrucken. Die Form ist immer unvollkommen. Am Ende ihres Lebens war Helen im Frieden mit Jesus. Wo wir geistig stehen, das allein zählt.

Für ein Symbol der Geistigen Welt spielt der Körper keine Rolle, denn wir sind immer im Geiste da: Hier und jetzt! So wirkt Bruno Gröning neben vielen anderen geistigen Meistern heute wie damals nur aus dem einen SEIN heraus: Dem GEIST GOTTES. Viele bezeugte Heilungen belegen dies. 

Das urchristliche Symbol für den GEIST ist ohne Zweifel Jesus. Er ist formaler Ausdruck des GEISTES GOTTES und für viele Menschen daher ein vorstellbarer Ankerpunkt, über den diese einen Zugang zur Geistigen Welt finden. Man könnte fragen, warum GOTT nicht nur und ausschließlich durch Jesus wirkt. Die Antwort ist einfach: So verschieden die geistigen Prägungen all der von Trennung träumenden Menschen sind, so verschieden müssen die Symbole der HEILUNG sein, durch die sie abgeholt werden können. Denn ein großes Hindernis haben wir alle zu überwinden: Es ist die Angst vor der LIEBE, vor GOTT. Wir alle fühlen uns bewusst oder unbewusst schuldig und erwarten daher eher Strafe als Vergebung. Die Geistige Welt weiß um unseren Zustand der Verwirrung. Daher müssen alle Kontakte mit den Symbolen des GEISTES möglichst sanft und angstfrei gestaltet werden, damit wir uns nicht noch tiefer im Wahn der Schuld verstricken und immer wieder vor der LIEBE flüchten.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Wir projizieren unsere dualistischen Vorstellungen auf die Symbole des GEISTES, also auch auf Gestalten wie Pater Pio, Bruno Gröning, Jesus oder Maria, die Mutter Jesu. Dann deuten wir ihr SEIN als mächtig, rein und GOTT-nah und sehen uns selber als noch schuldiger und schwächer. Wir wollen nicht wahrhaben, dass wir selber das Symbol des GEISTES in uns tragen: Das SELBST, den CHRISTUS. 

Wenn wir dem LICHT des GEISTES in uns oder in anderen Menschen begegnen, erzählt uns in unserem träumenden Geist das Ego (die Idee der Trennung) immer wieder nur eine furchterregende Geschichte: Halte Dich fern, du kannst mit dieser Macht nicht umgehen, sie ist gefährlich, denn du hast sie schon einmal missbraucht. Du hast sie Gott gestohlen und ihn mit seiner Macht ermordet. 

Obwohl diese Sichtweise verrückt ist und den Kern unseres Leidens beinhaltet, glauben wir doch eher dieser kranken Stimme als Jesus, der uns einlädt, einfach zum VATER zurückzukehren.

Da wir also Angst haben vor dem LICHT der HEILKRAFT in uns, projizieren wir dieses LICHT auf die Symbole der Geistigen Welt und glauben dann, dass sie sehr wohl die MACHT des VATERS in sich tragen oder einen Zugang zu dieser MACHT der Heilung und der Wunder herstellen können. So bitten wir sie um Fürsprache beim VATER und verlegen unsere eigene MACHT – derer wir uns nicht bewusst sind! – in den Glauben an die Symbole. Durch diesen Schritt kommen wir zumindest schon mal in Kontakt mit dem GEIST, auch wenn der Bezugspunkt zunächst dabei nach außen in die körperliche Illusionswelt verlegt wird.

Diese Projektion bedeutet aber auch, dass wir die MACHT des GEISTES in uns noch nicht akzeptieren. Sie ist zu groß und zu schön, um wahr zu sein. Wir bleiben in der Ego-Schuld-falle stecken und glauben immer noch an die Notwendigkeit des Leidens und Opferns, um für unsere Schuld zu bezahlen. Krankheit wird in christlichen Kreisen gern als Opfer gedeutet, obwohl sie eigentlich nur eine Autoaggression darstellt und für den VATER, der uns unschuldig sieht, ohne Bedeutung ist.

Wie ist nun diese innere Spaltung in Bezug auf die Symbole der Geistigen Welt zu überwinden? Ganz einfach: Wir werden still und offen im Geist und lassen die Symbole zu uns „sprechen“, an uns „wirken“. Dies ist der Weg des Mystikers, den auch wir heute gehen können. Dann halten wir an der Vorstellung von Schuld nicht mehr fest. Wir erlauben der HEILKRAFT, dass sie uns befreien darf von der Idee der Schuld, der Trennung vom VATER und der Notwendigkeit der Sühne (hier im allgemein christlichen Sinne der Buße und des Opferns gemeint). Wir übergeben unsere Krankheit und unsere Probleme dem LICHT der WAHRHEIT. Das ist ein großer Schritt, den wir nicht unterschätzen sollten. Denn ein Teil in uns, das Ego, will die Probleme nicht loslassen. Hier braucht es einen wachen Geist. Diesen trainieren wir in der Geistesschulung von Ein Kurs in Wundern oder in anderen Schulungssystemen.

Die Geistige Welt, das sei hier betont, hat nichts mit Magie zu tun. Magische Formeln und Riten sind ihr fremd. Da muss nichts abgewehrt oder magisch herbeigezaubert werden. Da müssen keine Pendel oder Karten befragt werden. Auch wenn wir glauben, solche Riten wie das Räuchern mit Weihrauch und das Tragen eines Kreuzes zu brauchen, für den GEIST zählt nur unsere Herzenshaltung. Alle magischen Formen – und dazu zählt auch das Familienstellen – sind im Klassenzimmer der Welt nur eine Lernhilfe. Das darf sein für eine Zeit. Wer aber frei gehen will, der lässt sie irgendwann los. Das offene sich dem GEIST hingebende Herz allein ist wichtig. Denn wir wollen nicht die Welt verändern, sondern nur unseren träumenden Geist dem Erwachen übergeben. Mehr nicht. 

Die weltlichen Dinge werden sich aus dieser stimmigen MITTE unseres wahren SEINS von selber regeln. Dann tun wir das Passende und Notwendige, weil wir scheinbar noch hier in einem Körper umherlaufen. Jesus ist es egal, ob wir im Wohnwagen oder in einem Haus leben, ob wir ein einfaches oder ein luxuriöses Auto fahren. Alle Symbole der Illusion (und das ist die ganze Welt mit all ihren Dingen) sind für die LIEBE ein und dasselbe: bedeutungslos. Um die Welt ist es nie gegangen, weil es sie im GEIST GOTTES nicht gibt. Die Welt ist das Produkt unserer angsterfüllten Fantasien, eine schlecht angepasste Lösung für ein nicht existierendes Problem (K. Wapnick). Die Welt darf und soll als Klassenzimmer für den Heilungsprozess genutzt werden, bis wir all das nicht mehr brauchen und in den GEIST zurückkehren – dorthin, wo wir immer waren und sind, auch wenn wir diese Wahrheit jetzt geistig noch nicht fassen können (und wollen!). Wenn der Schüler ausgelernt hat, verlässt er die Schule. Dann darf er den vollkommenen FRIEDEN und die FREIHEIT der LIEBE erfahren – ohne jegliche Angst.